Ich werde von Kunden und von Website Heroes gerade häufig dasselbe gefragt: Kann man Websites nicht eh mit KI statt mit WordPress bauen?

Denn Claude Code und ChatGPT Codex bauen mittlerweile in Minuten eine recht ansehnliche Website. Was bedeutet das für dich als WordPress-Webdesignerin? Wirst du in ein paar Jahren überhaupt noch ein Business haben? Solltest du dir den Umstieg auf einen guten Pagebuilder wie Bricks oder Etch überhaupt noch antun? Oder doch lieber gleich Alpaka-Züchter in Südamerika werden?

Also, legen wir los, damit du zu einer Entscheidung kommst…

Claude Code im MacOS Terminal
Claude Code im MacOS Terminal

Was ist der Unterschied zwischen KI-generiertem Code und WordPress?

Damit wir vom selben sprechen eine kurze Einordnung:

KI-generierter Code – HTML/CSS

Mit Claude Code, ChatGPT Codex und ähnlichen Tools promptet man sich Vanilla HTML/CSS oder ein kleines Framework zusammen. Die KI erstellt dabei je nach Anweisung mehr oder weniger guten Code.

Dieser wird oft in GIT (z.B. bei Github) gespeichert und auf Cloudflare gehostet.

Die Websites sehen leider alle sehr ähnlich aus und wenn du nicht aufpasst, hast du eine langsame Website weil die KI ein Applikations-Framework einbindet. Oder ein Datenschutzproblem, weil Schriften extern geladen werden.

Der große Vorteil – du hast fast keine Kosten für die Erstellung der Website und keine Kosten für die Wartung. Sexy, oder?

WordPress

Das System, das wir kennen, lieben und hassen gleichzeitig….

Ich hasse WordPress-Plugins genauso sehr, wie ich sie brauche – das nennt man wohl Stockholm-Syndrom mit Admin-Zugang.

Michael Baierl, WordPress-Profi

Aber auch das System, das über 40% aller Websites im Internet betreibt, offen ist und unglaublich flexibel. Nicht umsonst ist WordPress so erfolgreich.

Wir als Profis wissen aber auch, dass WordPress ständig Aufmerksamkeit benötigt. Updates wollen installiert werden, Pagebuilder führen ständig neue Funktionen ein und aus irgendeinem Grund wird im Blog ein Bild nicht mehr angezeigt….

Auf der anderen Seite ist eigentlich schon jedes Problem mit WordPress gelöst. Es gibt nichts, wofür es kein Plugin gibt und sauber aufgesetzt ist WordPress dann auch sehr pflegeleicht.

Das Dilemma

Wie du siehst ist das ein Dilemma. Auf der einen Seite günstig und schnell, auf der anderen Seite erprobt und flexibel… kein Wunder, dass du dich fragst, ob du nicht lieber mit KI programmieren solltest….

Nimmt dir KI wirklich die Aufträge weg?

Was KI tatsächlich kann

KI kann inzwischen erstaunlich viel. Eine simple Landingpage mit ein paar Absätzen und einem Kontaktformular – das schafft Claude Code in ein paar Minuten. Für Kundinnen mit sehr kleinem Budget und sehr kleinen Ansprüchen ist das eine echte Alternative zu dir als Webdesigner:in.

Diese Kundinnen waren aber (hoffentlich!) schon vorher nicht deine Zielgruppe. Wer 200 Euro für eine Website ausgeben will, hat vermutlich auch vorher schon zu Wix gegriffen statt zu dir.

Was KI nicht kann – Templates vs. Business-Lösungen

Was KI nicht mitliefert: Sie kennt Muster, nicht die Marke deiner Kundin. Sie kennt keine Zielgruppen-Analyse, keine Positionierung, keine Antwort auf die Frage „Was soll diese Website eigentlich für mein Business leisten?”

Genau da liegt dein Wert. Du baust keine Website – du baust eine Lösung für ein Business. Beratung, Strategie, individuelle Anforderungen, Wartung über Jahre, Vertrauen, das wächst. Das promptet niemand in einer Stunde.

Besonders schön: wenn du mit deinen Kund:innen mitwächst. Weil sie einen Online-Shop benötigen, ein Redesign, sich ihr eigenes Business ändert. Klar, das geht alles mit KI generiertem Code, aber welcher Kunde möchte sich schon mit GIT herumschlagen?

Vor- und Nachteile aus deiner Perspektive als Webdesignerin

WordPress

Vorteile:

  • Du kannst mit deinem gesamten Erfahrungsschatz arbeiten – Plugins, Pagebuilder, ein Ökosystem, das du kennst
  • Wartung und Weiterbetreuung als eigenes, planbares Geschäftsmodell
  • Kundinnen bekommen ein System, das mit ihnen mitwächst – Shop, Mitgliederbereich, mehrere Autor:innen
  • Kund:innen können Inhalte selbst bearbeiten.

Wer eine E-Mail schreiben oder mit Word umgehen kann, der kann auch die Texte auf einer WordPress-Website selbst ändern.

Michael Baierl, der keine Inhalte für Kund:innen einpflegt

Nachteile:

  • Höherer Zeitaufwand pro Projekt als ein KI-Prompt
  • Du musst dich laufend weiterbilden, um am Ball zu bleiben

KI-generierter Code

Vorteile:

  • Für sehr einfache Projekte extrem schnell
  • Kann dir als Werkzeug in deinem eigenen Workflow enorm Zeit sparen (dazu gleich mehr)

Nachteile für deine Kundinnen:

  • Kein Content-Management-System – jede Textänderung läuft wieder über Code oder über dich
  • Technisch sehr anspruchsvoll (git, Cloudflare, push, pull, deploy, wtf?)
  • KI-Tools binden gern ganze Frameworks wie React ein, wo eigentlich eine einfache statische Seite reichen würde – das kostet Ladezeit und SEO-Rankings
  • Datenschutz wird von den Agenten gern vernachlässigt, externe Scripts landen schnell ungefragt im Code

Zwischenfazit

Für mich ist bei KI-Websites noch die Frage des “Content Managements” ungelöst. Ja, das WordPress-Backend würde dringend eine radikale Erneuerung benötigen, aber wenigstens können die Kund:innen (und du) den Inhalt einfach bearbeiten oder neue Bilder hochladen.

Bei reinen KI-Workflows muss das technische Wissen bei den Editoren (oftmals keine Technik-Nerds) weit höher sein… das klappt oft nicht.

Etch Asset Manager
Alternative zur WordPress Mediathek – der EtchWP Asset Manager

Entscheidungstabelle: WordPress vs. KI-generierter Code

KriteriumKI-generierter CodeWordPress mit Profi
Zeit bis onlineStunden bis TageTage bis Wochen
Individualitätmittel bis hoch, je nach Promptinghoch
SEO/Ladezeitstark schwankend, oft durch unnötige Frameworks belastetsehr gut bei sauberem Setup
Content-Pflege für Kundinnenüber Code oder erneutes Prompteneigenständig über CMS
Datenschutzliegt bei dir oder der Kundin es entsprechend zu promptenetablierte Lösungen wie Real Cookie Banner
Skalierbarkeit (Shop, Mitgliederbereich, mehrere Autor:innen)eingeschränkt ohne viel Zusatzaufwandsehr hoch

Solltest du KI selbst in deinen Workflow einbauen?

Ja – nur eben nicht als Konkurrenz, sondern als Werkzeug.

KI schreibt dir erste Textentwürfe, die du dann redigierst. Sie liefert dir Struktur-Vorschläge für eine neue Seite, bevor du im Pagebuilder loslegst. Sie generiert dir Platzhalter-Bilder für ein Mockup. Das alles spart dir Zeit – ohne dass du dabei etwas von deiner Beratungsleistung an eine Maschine abgibst.

Du entscheidest, was übernommen wird und was nicht. Die KI liefert Rohmaterial, du lieferst die fertige Lösung.

Wie positionierst du dich neu, wenn „einfache” Websites bald jede:r selbst bauen kann?

Genau dort, wo du schon jetzt deinen Wert hast: nicht bei der einfachsten Website, sondern bei der, die für ein Business echten Mehrwert bringt.

Christopher Kurth bringt das in seinem Artikel „Der KI-Lock-in” gut auf den Punkt: Je mehr das Netz mit generischen KI-Inhalten überschwemmt wird, desto wertvoller wird echte Substanz. Für dich heißt das: Je austauschbarer die einfachen KI-Websites werden, desto klarer wird der Unterschied zu deiner Arbeit.

Die Hürde, irgendeine Website zu bauen, ist gefallen. Die Hürde zu einer guten, individuellen Website nicht. Genau da bist du zu Hause.

Ist WordPress 2026 schon obsolet?

Nein, ich denke nicht.

Es wird noch einige Zeit dauern, bis reine HTML/JS-KI-generierte Websites wirklich brauchbar sind. Meine Tests (eine Website zu 100% nur mit Claude Code) waren ernüchternd… Claude benötigt genaue Anforderungen, viele Iterationen und spätestens beim Design habe ich mir Bricks oder Etch gewünscht…

Außerdem tut sich gerade extrem viel bei WordPress:

  • EtchWP hat einen MCP-Server, dh. du kannst mit jeder beliebigen KI im Pagebuilder arbeiten.
  • Bricks bringt ebenso ab Version 2.4 einen MCP-Server und eigene Skills mit. Nice.
  • Novamira erlaubt der KI deines Vertrauens vollen (!) Zugriff auf alle Bereiche in WordPress. Crazy, aber geil.

WordPress 7.0 bringt außerdem eine eigene Anbindung für KI-Tools mit (schwach umgesetzt, aber das ist ein anderes Thema), was sich vermutlich bald in diversen Plugins auswirken wird….

Das Rennen ist also noch nicht entschieden und obwohl WordPress so seine Macken hat ist doch das User-Interface nach wie vor bekannt, praktisch gut.

Du musst das nicht allein durchdenken

Wie du dein Angebot und deine Preise angesichts KI anpasst – das ist keine Frage, die du an einem Nachmittag für dich allein löst. Und musst du auch nicht.

Genau dafür gibt es die Website Heroes: einen Ort, an dem wir dieses Thema laufend gemeinsam durchdenken, wo du hörst, wie andere Webdesigner:innen ihr Angebot gerade anpassen, und wo du nicht mit jeder neuen KI-Schlagzeile allein dastehst.

Häufige Fragen zu KI und WordPress für Webdesigner:innen

Nimmt KI mir wirklich meine Kund:innen weg?

Vor allem die Kund:innen mit sehr kleinem Budget, die vermutlich schon vorher nicht deine Zielgruppe waren. Für Kund:innen, die ein Business und kein Hobby betreiben, bleibt Beratung und Betreuung der entscheidende Faktor.

Muss ich jetzt selbst coden können, um mit KI mitzuhalten?

Nein. Du musst verstehen, wo KI dir Zeit spart – nicht selbst zur Entwickler:in werden. WordPress bleibt dabei dein Werkzeug, KI wird ein weiteres.

Wie reagiere ich, wenn eine Kundin sagt, sie hat schon eine KI-Website?

Frag nach ihren echten Zielen: Wachstum, Shop, mehrere Autor:innen, Vertrauen bei der Zielgruppe. Meist zeigt sich schnell, wo die KI-Lösung an ihre Grenzen stößt.

Sollte ich KI-Tools in meine Preisgestaltung einpreisen?

Wenn KI dir bei Texten oder Struktur Zeit spart, gib diesen Vorteil nicht automatisch als Rabatt weiter. Die Beratungs- und Betreuungsleistung, für die deine Kund:innen zahlen, bleibt unverändert wertvoll. Du verkaufst einen Wert, nicht deine Zeit.

Wie gehst du mit dem Thema um – hast du KI schon in deinen Workflow eingebaut? Schreib’s in die Kommentare!

Lass uns einfach Websites bauen,

Michael

PS: Wenn du merkst, dass du bei diesem Thema Austausch statt Alleingang brauchst – genau dafür sind die Website Heroes da.