WordPress hat ein KI-Problem. Nicht weil die KI schlecht wäre – sondern weil WordPress selbst noch nicht weiß, wie es damit umgehen soll. Version 7.0 kam mit großem Tam-Tam und einer neuen „KI-Integration”. Klingt gut, oder? Naja. Was da wirklich drin steckt – und welches Sicherheitsrisiko gerade still und leise auf dich wartet – das schauen wir uns jetzt an.
TLDR: WordPress 7.0’s KI-Integration ist halbherzig und birgt ein ernstes Sicherheitsproblem. Du solltest deinen API Key sofort mit einem Limit absichern. Und es gibt ein Plugin, das macht, was WordPress eigentlich liefern hätte sollen.
WordPress 7.0 und KI – die Realität hinter dem Hype
Mit Version 7.0 hat WordPress die sogenannte Connectors API eingeführt. Die Idee dahinter: Ein zentraler Weg, KI-Dienste in WordPress zu verankern. Klingt vernünftig.
Die Umsetzung? Halbherzig.
Das Kernproblem ist kein technisches Konzeptproblem, sondern ein handfestes Sicherheitsproblem. Und das ist eines, das ich mir nicht hätte ausmalen müssen – es liegt offen auf der Hand.
Das Sicherheitsproblem, das dir schlaflose Nächte bereiten sollte
Stell dir vor, du hinterlegst deinen API Key von Claude, ChatGPT oder einem anderen KI-Anbieter in WordPress – damit du bequem über die Oberfläche auf KI zugreifen kannst. Klingt praktisch.
Jetzt kommt der Haken:
- Jedes Plugin hat uneingeschränkten Zugriff auf diesen API Key
- Jedes Plugin kann deine Tokens verbraten – ohne dein Wissen, ohne deine Kontrolle
- Jedes Plugin kann den Key auslesen und stehlen
Das ist kein theoretisches Szenario. Es ist eine Architekturentscheidung, die bald für böse Überraschungen sorgen wird. Du installierst ein Plugin, das im Hintergrund munter Tokens frisst. Oder schlimmer: Dein Key landet wo er nicht landen sollte.
Was du jetzt sofort tun solltest:
Wenn du einen API Key bei einem KI-Anbieter erstellst, hinterlege immer ein Ausgabenlimit. Das ist bei den meisten Anbietern einfach einzustellen – und es ist keine Option, es ist Pflicht. Ohne Limit ist das eine offene Rechnung, auf die du keinen Einblick hast.
Copy-Paste ist kein Workflow
Das Sicherheitsproblem ist das eine. Aber es gibt noch ein weiteres, das jeden betrifft, der täglich mit WordPress arbeitet: KI-Inhalte landen oft nicht dort, wo sie hingehören – zumindest nicht ohne Umwege.
Konkret: Mit Claude, ChatGPT und Co. direkt in WordPress Inhalte zu bearbeiten, ist extrem umständlich. Besonders dann, wenn du einen Page Builder wie Elementor oder Bricks verwendest. Was passiert in der Praxis? Du generierst den Text in der KI, kopierst ihn manuell nach WordPress, formatierst neu, prüfst nochmal – Uff.
Das Plugin, das WordPress 7.0 hätte sein sollen
Hier wird es interessant. Die Macher von dynamic.ooo haben ein Plugin veröffentlicht, das heißt Novamira – und für mich ist das das, was WordPress 7.0 hätte liefern sollen.

Novamira bietet echten, agentischen MCP-Zugriff auf (fast) alles in WordPress. Was das bedeutet? Dein KI-Agent kann direkt arbeiten, ohne dass du als Mittelsmann fungieren musst. Konkret werden unterstützt:
- Elementor, Bricks Builder, Divi, Etch uvm.
- ACF (Advanced Custom Fields), Metabox usw.
- Yoast SEO, Rank Math, Formular-Plugins
- Sogar direkter Zugriff auf PHP im Child Theme ist via KI möglich.
Jeder KI-Agent – egal ob Claude, ChatGPT oder ein anderer – kann damit direkt in deine WordPress-Inhalte rein und sie bearbeiten. Ohne Copy-Paste. Ohne Umwege.
Das bringt WordPress ein Stück näher an die Welt der Static Site Builder. Die haben nämlich einen strukturellen Vorteil, der im KI-Kontext immer relevanter wird: Inhalte liegen dort nicht vermischt mit Design in einer Datenbank, sondern als Markdown-Dateien direkt im Dateisystem. Was das bedeutet? KI kann schneller darauf zugreifen, braucht weniger Tokens – und ist damit auch billiger.
Jeder zahlt für KI – mehrfach
Der aktuelle Status von WordPress sieht so aus: Jeder Page Builder und jedes Plugin bringt seine eigene KI mit. Elementor hat seine KI. Divi hat seine. Yoast hat seine. Du zahlst also für jedes einzelne Tool separat, wenn du KI nutzen willst.
Ist das sinnvoll?
Nein. Das ist Fragmentierung auf Kosten der Nutzer:innen. Du baust dein Toolset zusammen – und bezahlst am Ende drei, vier, fünf Mal für KI-Zugriff, der alle dasselbe können sollte.
Die große Frage: Kann WordPress das lösen?
Bleibt die Frage: Wird WordPress dieses Problem je wirklich lösen?
Die Core-Entwicklung von WordPress ist nicht gerade für Geschwindigkeit bekannt. Die Fragmentierung – hunderte von Plugins, dutzende Page Builder, unterschiedlichste Philosophien – macht eine einheitliche KI-Integration extrem schwer. Jeder kocht sein eigenes Süppchen, weil jeder seinen eigenen Markt schützen will.
Novamira könnte in einem Jahr obsolet sein, wenn WordPress selbst nachliefert. Auf der anderen Seite: Wenn die Core-Entwicklung im gewohnten Tempo weiterzieht, ist das eher unwahrscheinlich.
Meine Einschätzung: WordPress wird dieses Problem nicht schnell lösen. Die Architektur-Entscheidungen der letzten Jahre sprechen dafür, dass KI-Integration ein Flickenteppich bleiben wird – zumindest für absehbare Zeit.
Was sagst du dazu?
Glaubst du, dass WordPress das Thema KI in den Griff bekommt? Nutzt du schon Novamira oder ähnliche Lösungen? Schreib mir gerne in den Kommentaren.
Du willst bei solchen Entwicklungen nicht den Anschluss verlieren und dich mit Kolleg:innen austauschen, die täglich mit denselben Fragen kämpfen? Dann bist du bei den Website Heroes genau richtig.
Lass uns einfach Websites bauen,
Michael



