Es ist acht Uhr abends, ich sitze am Rudergerät und schaue eine Krimiserie.
Plötzlich läutet mein Handy. Eine Business-Bekanntschaft.
“Michael, ich habe ein Problem.”
Er erzählt, dass er vor einem Jahr eine Webanwendung für seinen lokalen Volleyballverein gebaut hat. In zwei Tagen steht eine wichtige Veranstaltung an. Das Problem: die App funktioniert nicht mehr, und ohne sie kann die Veranstaltung nicht stattfinden. Oder so ähnlich.
Die Details habe ich nicht ganz mitbekommen, weil ich gedanklich noch beim Mörder aus der Krimiserie war….
“Hast du das … vibe-coded?”, frage ich.
Ja, hat er. Und nein, er hat keinerlei Ahnung, wie er die App reparieren soll. Seine Prompts zur Fehlerbehebung haben nichts gebracht, seine Tokens sind fast verbraucht.
Was ich jetzt tun soll und er sich vom Anruf erhofft hat? Keine Ahnung.
Aber ich werde sicherlich nicht unter Zeitdruck eine zufällige, vibe-gecodete Applikation debuggen.
Mein Rat? Mehr Tokens kaufen und hoffen, dass ein anderer KI-Agent oder ein anderes Modell das Problem lösen kann.
Was mir durch diesen Anruf klar geworden ist? Durch die KI-Tools entstehen aktuell jede Menge technischer Schulden, welche von Nichtprogrammierer:innen in den letzten Jahren angehäuft wurden. Und jetzt beginnen diese Applikationen auseinanderzufallen.
Bitte nicht falsch verstehen, ich bin absolut pro-KI und finde die Technik großartig. In Händen von Profis ist sie ein mächtiges Werkzeug. So wie eine Schlagbohrmaschine in den Händen eines ausgebildeten Fachmanns absolut hilfreich ist. Aber in den Händen von Amateuren?
Früher hat meine Familie angerufen, damit ich ihnen mit dem Drucker helfe.
Jetzt aber rufen sie an, damit ich ihre kaputten, vibegecodeten Applikationen repariere.
Sorry, nein, danke. Ohne mich.


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